Methoden

Spagyrik

Spagyrik (aus dem Griechischen spao "(heraus)ziehen, trennen" und ageiro "vereinigen, zusammenführen") bezeichnet die pharmazeutische und therapeutische Umsetzung der Alchemie. Hierbei werden pflanzliche, mineralische und tierische Ausgangssubstanzen mit Hilfe chemischer Verfahrenstechniken, die als charakteristisch für die alchemistische Verfahrensweise gelten, zu Spagyrika (Einzahl: Spagyrikum) verarbeitet. Ein wesentlicher Bestandteil der spagyrischen Arzneimittelherstellung ist die Destillation. Sie kommt außer in ihrer einfachen Form auch in besonderen Ausführungen wie der "Zirkulation" (Form der Rückflussdestillation) oder der sogenannten "Kohobation" (Mehrfachdestillation) zur Anwendung. Voran geht in der Regel ein "Aufschluss" der Materie, etwa durch Mazeration – auch unter Wärme ("Digestion"), der bei biogenen Ausgangsstoffen oft von Fäulnis oder Gärung begleitet abläuft. Ein ebenfalls namhafter Prozess ist die Kalzinierung, worunter die Trocknung und Veraschung des Destillationsrückstands verstanden wird. Die Verfahrensschritte konzentrieren sich in der alchemistischen Weltanschauung auf die Abtrennung des "Wesentlichen" von seiner stofflichen Erscheinung. Am Schluss steht die Zusammenführung der Zwischenstufen ("Konjugation") zur "Quintessenz", der besondere Heilkräfte zugeschrieben werden.

Heute werden auch verschiedene Heilsysteme zusammenfassend mit dem Begriff Spagyrik bezeichnet. Das therapeutische Ziel ist die positive Beeinflussung einer imaginären "Lebenskraft" und damit die Aktivierung der Selbstheilungskräfte. Der theoretische Hintergrund ist bei den unterschiedlichen spagyrischen Richtungen nicht einheitlich. Grundlage bilden Vorstellungen aus der antiken Naturphilosophie (z. B. "Elementenlehre"), die Signaturenlehre und Vorstellungen aus der Humoralpathologie.

Geschichte

Die Arzneimittelherstellung und Therapie nach den weltanschaulichen und praktischen Regeln der Alchemie ist auf Paracelsus zurück zu führen. Von ihm ist der erstmalige Gebrauch des Begriffes Spagyrik überliefert. Mit der Herstellung von Arzneimitteln mittels alchemischer Verfahren grenzte Paracelsus sein Heilsystem von der damals verbreiteten "galenischen" Medizin ab. Die therapeutische Anwendung wurde vor dem Hintergrund der alchemistischen Philosophie und damit der alchemistischen Sicht des Menschen und seiner Umwelt durchgeführt.

Spagyrische Heilsysteme des 19. Jahrhunderts

Heilsystem nach Dr. Zimpel

Der schlesische Eisenbahningenieur Carl-Friedrich Zimpel (1801–1879) entwickelte ab 1868 das nach ihm benannte Heilsystem, nachdem er in Italien Cesare Mattei kennengelernt hatte. Es verwendete neben den "Spagyrischen Pflanzenmitteln" auch die sogenannten "Elektrizitätsmittel" und weitere, nicht ausschließlich spagyrisch hergestellte Mittel ("Arcana"). Zimpel hielt die Destillation für einen wesentlichen Herstellungsschritt und glaubte, durch ausdauernde Destillationsvorgänge die arzneiliche Wirkung seiner Mittel besonders zu verstärken. Die heute angebotenen und mit dem Namen Zimpels bezeichneten Spagyrika werden allerdings nicht nach der original Zimpelschen Herstellungsmethode gefertigt. Sie gehen vermutlich auf Vorschriften von Johann Rudolph Glauber zurück. Im Gegensatz zu den Zubereitungen, die nach der original Zimpelschen Herstellungsmethode gefertigt wurden, enthalten sie keine Wirkstoffe mehr. In den Produkten sind nur die wasserdampfflüchtigen Stoffe des vergorenen Ansatzes und die löslichen Mineralsalze der Asche des Pressrückstands enthalten.

Spagyrische Arzneimittel im 20./21. Jahrhundert

In der Gegenwart werden Spagyrika im Wesentlichen als Fertigarzneimittel von verschiedenen Firmen hergestellt, es sind dies Mittel beispielsweise der folgenden Richtungen:

  • Spagyrik nach Bernus: nach Alexander von Bernus
  • Spagyrik nach Pekana: nach Peter Beyersdorff
  • Spagyrik nach Zimpel: Verfahren in irreführender Weise benannt nach Carl Friedrich Zimpel; Herstellung der Mittel orientiert sich vermutlich an Vorschriften von Johann Rudolph Glauber

Quelle: Wikipedia – die freie Enzyklopädie

In meiner Praxis kommt die Spagyrik nach v. Bernus (Soluna), Spagyrik nach Pekana und nach Zimpel (Phylak Sachsen) zum Einsatz.